Wenn es um klimafreundliche Mobilität geht, stehen Elektroautos meist ganz oben auf der Liste. Sie gelten als sauberer Ersatz für Benziner und Diesel. Dabei wird ein Verkehrsmittel häufig unterschätzt, das in Sachen Klimaschutz oft noch besser abschneidet: das E-Bike. Denn Elektroräder sparen nicht nur Energie ...

Warum E-Bikes für die Verkehrswende oft mehr bringen als Elektroautos

Wenn es um klimafreundliche Mobilität geht, stehen Elektroautos meist ganz oben auf der Liste. Sie gelten als sauberer Ersatz für Benziner und Diesel. Dabei wird ein Verkehrsmittel häufig unterschätzt, das in Sachen Klimaschutz oft noch besser abschneidet: das E-Bike. Denn Elektroräder sparen nicht nur Energie und Rohstoffe – sie verändern auch das Mobilitätsverhalten spürbar und können so die Verkehrswende schneller voranbringen als viele erwarten.

E-Bikes sind effizienter als Elektroautos bei der Verkehrswende

Bildquelle:  Pixabay | garten-gg 

Millionen E-Bikes sparen täglich Öl ein

Weltweit sind inzwischen rund 280 Millionen E-Bikes und E-Scooter unterwegs. Laut Auswertungen von Bloomberg New Energy Finance sorgt allein diese Flotte dafür, dass pro Tag etwa eine Million Barrel Öl weniger benötigt werden – das entspricht ungefähr einem Prozent der weltweiten Nachfrage. Zum Vergleich: Die knapp 60 Millionen Elektroautos kommen nur auf etwa ein Viertel dieses Effekts.
Damit tragen E-Bikes messbar dazu bei, den Ölverbrauch zu senken – und verringern zugleich die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern. Auch in Deutschland ist dieser Trend längst angekommen.

Fast jede zweite Fahrt würde sonst im Auto stattfinden

Wie groß der Effekt im Alltag tatsächlich ist, zeigt eine Studie der Bergischen Universität Wuppertal (veröffentlicht im September 2025). Demnach hätten Nutzerinnen und Nutzer ohne Pedelec 43,1 Prozent ihrer Fahrten mit dem Auto erledigt – bei den zurückgelegten Kilometern liegt der Anteil sogar bei 63,2 Prozent.
Im Schnitt fahren die Befragten täglich etwa 14 Kilometer mit dem E-Bike. Das bedeutet: Viele Autofahrten werden nicht nur verkürzt, sondern ganz ersetzt – und damit sinken auch die CO₂-Emissionen deutlich. Ein zusätzlicher Vorteil: Für E-Bikes braucht es keine aufwendige Ladeinfrastruktur wie bei E-Autos.
Interessant ist außerdem: Wer mit Pedelec unterwegs ist, lässt sich weniger schnell von schlechten Radwegen oder fehlender Infrastruktur abschrecken als Menschen, die mit einem klassischen Fahrrad fahren. Letztere steigen unter ungünstigen Bedingungen eher auf andere Verkehrsmittel um, so die Studie.

15,7 Millionen E-Bikes in Deutschland

Während Elektroautos vor allem den Antrieb austauschen, aber den Autoverkehr als solchen kaum verringern, setzen E-Bikes an einem anderen Punkt an: Sie können Autofahrten direkt ersetzen – und dadurch Staus, Platzprobleme und Verkehrsdruck in Städten reduzieren.
Rebecca Peters, Bundesvorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC), sieht hier ein großes Potenzial: „E-Bikes werden immer beliebter – und sie haben enormes Potenzial für die Verkehrswende. Denn wer ein E-Bike besitzt, fährt damit häufiger und längere Strecken als mit Fahrrädern ohne Motor.“
Zahlen des Zweirad-Industrie-Verbands (ZIV) unterstreichen diese Entwicklung: Für 2024 wird der E-Bike-Bestand in Deutschland auf rund 15,7 Millionen Fahrzeuge geschätzt. Insgesamt gibt es hierzulande etwa 89 Millionen Fahrräder – rund 17 Prozent davon sind Pedelecs. Innerhalb weniger Jahre haben sich E-Bikes damit von einer Randerscheinung zur wichtigsten Kategorie im Fahrradmarkt entwickelt.

Sehr effizient – und extrem niedrige Emissionen

Neben dem Verlagerungseffekt überzeugt das E-Bike auch durch seine Effizienz. Elektroräder gehören zu den emissionsärmsten Verkehrsmitteln überhaupt. Über den Stromverbrauch entstehen im Schnitt nur rund 3 Gramm CO₂ pro Personenkilometer.
Zum Vergleich: Ein Auto mit Verbrennungsmotor verursacht laut einer Analyse von Bosch und TÜV Rheinland etwa 166 g CO₂/Personenkilometer. Der öffentliche Nahverkehr liegt – je nach Auslastung und System – zwischen 63 und 93 g CO₂/Personenkilometer. Ein Elektroauto kommt im Durchschnitt auf rund 79 g CO₂/Personenkilometer. Zwar entstehen beim Fahren selbst keine direkten Abgase, doch Herstellung, Strombedarf und Batterieproduktion schlagen weiterhin zu Buche. Immerhin verbessert sich die Bilanz von E-Autos mit zunehmendem Anteil erneuerbarer Energien.

Klimabilanz: Amortisiert sich sehr schnell

Auch über den gesamten Lebenszyklus betrachtet schneiden E-Bikes sehr gut ab. Die Bosch/TÜV-Analyse kommt auf einen CO₂-Fußabdruck von rund 263 kg CO₂-Äquivalenten – von der Produktion bis zur Entsorgung. Dieser Wert ist laut Berechnung bereits nach etwa 515 Kilometern „eingefahren“, also klimatisch ausgeglichen.

Förderung könnte den Effekt deutlich verstärken

Während Elektroautos in Deutschland zeitweise stark gefördert wurden und es auch weiterhin Fördermodelle im Privatbereich gibt, konzentrieren sich staatliche Programme bei E-Bikes bislang vor allem auf den gewerblichen Einsatz – etwa bei E-Lastenrädern.
Heather Kaths, Professorin an der Bergischen Universität Wuppertal, hält deshalb zusätzliche Maßnahmen für sinnvoll. Mehr öffentliche Kampagnen, finanzielle Anreize oder gezielte Förderprogramme könnten dazu beitragen, dass noch mehr Menschen vom Auto aufs E-Bike umsteigen – und damit ein Verkehrsmittel nutzen, das Klima, Städte und Infrastruktur gleichermaßen entlastet.

Quellen:  Ars Technica, Mobilitätsforum, ADFC, ZIV, Utopia, Umweltbundesamt, Bosch