DLR Studie zeigt: Lastenräder lohnen sich für Unternehmen
Lohnt sich der Einsatz von Lastenrädern und elektrischen Leichtfahrzeugen (LEV) im Unternehmensalltag? Dieser Frage ist das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) im Rahmen der mehrjährigen Studie „Ich entlaste Städte 2“ nachgegangen. Das Ergebnis fällt eindeutig aus: Richtig eingesetzt, bieten diese Fahrzeuge sowohl wirtschaftliche Vorteile als auch positive Effekte für Klima, Umwelt und Lebensqualität in Städten.
Lastenrad für Handwerk und Dienstleistung in München
Umfangreiche Datengrundlage aus realem Unternehmenseinsatz der Lastenfahrräder
Für die Untersuchung begleitete das DLR über vier Jahre hinweg mehr als 40 Unternehmen aus Handwerk, Dienstleistung und Logistik. Die Betriebe integrierten Lastenräder und LEV in ihren Arbeitsalltag und nutzten sie unter realen Bedingungen. Insgesamt kamen dabei über 100.000 gefahrene Kilometer zusammen.
Mithilfe der Messplattform „MovingLab“ wurden die Fahrten detailliert erfasst und ausgewertet. Ergänzend führten die Forschenden Interviews mit den Anwenderinnen und Anwendern. So entstand erstmals eine wissenschaftlich fundierte Datengrundlage, die nicht nur Potenziale, sondern auch Herausforderungen im praktischen Einsatz sichtbar macht.
Mehr als ein Trend: Vorteile für Wirtschaft, Umwelt und Städte
Die Analyse zeigt: Lastenräder und LEV können für Unternehmen ein echter Gewinn sein – vorausgesetzt, sie werden gezielt eingesetzt. Neben geringeren Betriebskosten profitieren Unternehmen von effizienteren Abläufen im urbanen Raum. Gleichzeitig leisten diese Fahrzeuge einen wichtigen Beitrag zur Entlastung von Städten: weniger Verkehrslärm, geringere Emissionen und eine reduzierte Verkehrsbelastung insgesamt. Gerade in wachsenden Städten mit begrenztem Raumangebot wird dieser Aspekt zunehmend relevant.
6 Erfolgsfaktoren für den Einsatz von Lastenfahrrädern im Unternehmen
Aus den erhobenen Daten und Praxiserfahrungen hat das DLR sechs zentrale Faktoren identifiziert, die über den langfristigen Erfolg entscheiden:
1. Umstellung als strategisches Transformationsprojekt verstehen
Die Einführung von Lastenrädern und LEV bedeutet für viele Unternehmen eine grundlegende Veränderung. Prozesse müssen angepasst, Abläufe neu gedacht werden. Erfolgreiche Betriebe begreifen diesen Schritt als aktiven Wandel – nicht als kurzfristigen Test.
2. Klare Einsatzszenarien definieren und weiterentwickeln
Unternehmen, die erfolgreich sind, analysieren ihre Fahrprofile genau. Sie legen fest, welche Strecken und Aufgaben sich für Lastenräder eignen – oder entwickeln im laufenden Betrieb neue Einsatzmöglichkeiten. Häufig lassen sich bestehende Fahrten direkt ersetzen oder sinnvoll mit klassischen Fahrzeugen kombinieren. Besonders geeignet sind wiederkehrende Strecken mit moderaten Distanzen – oft im Bereich von acht bis 18 Kilometern täglich, mit Potenzial bis etwa 30 Kilometer.
3. Stärken der Fahrzeuge konsequent nutzen
Lastenräder spielen ihre Vorteile vor allem im Stadtverkehr aus: Sie umgehen Staus, nutzen kürzere Wege, benötigen keinen Parkplatz und verkürzen Wegezeiten. Diese Effizienzgewinne ermöglichen es Unternehmen teilweise sogar, mehr Aufträge pro Tag abzuwickeln. Zudem können auch Mitarbeitende ohne Führerschein flexibel eingesetzt werden.
4. Mitarbeitende aktiv einbinden
Neben der Unterstützung durch die Unternehmensleitung ist die Akzeptanz im Team entscheidend. Erfolgreiche Betriebe beziehen ihre Mitarbeitenden frühzeitig ein und ermöglichen Mitbestimmung bei der Fahrzeugauswahl. In größeren Organisationen unterstützt ein strukturiertes Fuhrparkmanagement die Einführung.
5. Praxistests im Arbeitsalltag durchführen
Die Anforderungen unterscheiden sich je nach Branche erheblich. Faktoren wie Transportvolumen, Reichweite oder Handling lassen sich am besten im realen Einsatz bewerten. Testphasen im Alltag sind daher ein zentraler Baustein für fundierte Entscheidungen. Auch die Zusammenarbeit mit lokalen Händlern und Servicepartnern erweist sich als Vorteil.
6. Wirtschaftlichkeit individuell berechnen
Ein entscheidender Punkt ist die Kostenbetrachtung. Lastenräder und LEV verursachen deutlich geringere laufende Kosten als konventionelle Fahrzeuge. Energiekosten von etwa 50 Cent pro 100 Kilometer, niedrige Wartungsaufwände und günstige Versicherungen führen zu Einsparungen im drei- bis vierstelligen Bereich pro Jahr – insbesondere, wenn wenig ausgelastete Pkw oder Transporter ersetzt werden.
Vielfältige Einsatzmöglichkeiten in unterschiedlichen Branchen
Ein bemerkenswertes Ergebnis der Studie ist die Bandbreite erfolgreicher Anwendungen. Während einige Unternehmen ihre Lastenräder täglich intensiv nutzen und hohe Fahrleistungen erreichen, profitieren andere bereits bei geringerer Nutzung – etwa wenigen Kilometern pro Tag oder einzelnen Einsatztagen pro Woche.
Selbst in unerwarteten Bereichen zeigen sich Potenziale: So nutzte beispielsweise ein Tiefbauunternehmen Lastenräder mit Anhängern, um Verkehrsschilder zu Baustellen zu transportieren. Diese Vielfalt verdeutlicht, dass es keine Standardlösung gibt, sondern individuelle Konzepte gefragt sind.
Lastenrad mit "Hinterher"-Anhänger im Einsatz in München
Relevanz für München: Große Chancen für urbane Mobilität
Die Erkenntnisse der Studie sind besonders für Städte wie München von hoher Bedeutung. Als wachsende Metropole steht München vor typischen Herausforderungen: steigender Verkehr, begrenzte Flächen und hohe Umweltbelastungen.
Gerade hier können Lastenräder und LEV eine Schlüsselrolle übernehmen. Viele betriebliche Fahrten im Stadtgebiet liegen in einem Distanzbereich, der ideal für diese Fahrzeuge ist. Gleichzeitig profitieren Unternehmen von der vorhandenen Infrastruktur, etwa gut ausgebauten Radwegen und einer zunehmenden politischen Förderung nachhaltiger Mobilität.
Für Münchner Betriebe bedeutet das konkret: Wer seine innerstädtischen Transporte analysiert, kann nicht nur Kosten senken, sondern auch aktiv zur Entlastung der Stadt beitragen – ein Aspekt, der zunehmend auch für das eigene Image und die Kundenwahrnehmung relevant wird.
Praktische Unterstützung: Tools und Checklisten für Unternehmen
Um den Einstieg zu erleichtern, stellt das DLR verschiedene Hilfsmittel zur Verfügung. Dazu zählen praxisorientierte Leitfäden, eine Checkliste für die Einführung sowie ein Online-Rechner zur individuellen Wirtschaftlichkeitsanalyse. Dieser berücksichtigt unter anderem Betriebskosten, Geschwindigkeiten, Personalkosten und CO₂-Emissionen und ermöglicht so fundierte Investitionsentscheidungen.
Fazit: Hohe Potenziale für Unternehmen und Städte
Die DLR-Studie macht deutlich: Lastenräder und elektrische Leichtfahrzeuge sind eine ernstzunehmende Alternative im betrieblichen Fuhrpark. Richtig eingesetzt, bieten sie wirtschaftliche Vorteile und leisten gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Stadtentwicklung.
Für Unternehmen in München eröffnet sich damit eine doppelte Chance: effizientere Abläufe im eigenen Betrieb und ein aktiver Beitrag zu einer lebenswerteren Stadt.
FAM BIKE macht keinen Hehl daraus, dass wir Projekte aktiv zur Verbesserung der Fahrradmobiliät und der Verkehrswende in München unterstützen. Diese Studie zeigt, dass es auch für Unternehmen möglich ist, das Fahrrad als Transportmittel einzusetzen.
Quelle: DLR.de